14.11.2018

LebensW€RT – Bemerkenswert – Viel-Mehr-Wert - Dankenswert

LebensWRT – Bemerkenswert – Viel-Mehr-Wert - Dankenswert

LebensWRT – unter diesem Motto starteten über 300 junge Menschen am 1. August mit einem Festgottesdienst im Trier Dom  in ein einen neuen Lebensabschnitt. 1 Jahr lang wollen sie als FSJler*innen und Bundesfreiwilligendienstler*innen sich engagieren, sich ausprobieren und etwas bis dato unbekanntes kennenlernen.

Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg gab im vollbesetzten Trierer Dom den jungen Menschen folgendes mit auf den Weg:  „Ich lade euch dazu ein, euch in diesem Jahr eures Dienstes einmal selbst zu vergessen und einfach in aller Offenheit da zu sein, euch von neuen Begegnungen und Erfahrungen inspirieren zu lassen und so ganz neu zu lernen, was euch selbst ausmacht.“

3 dieser jungen Menschen hatten sich  entschieden, sich im Haus Christophorus zu bewerben und dieser Einladung zu folgen. Wir freuen uns,  Pascale Trommer, Sarah Maria Schröder und Tarek Tamim als junge und engagierte Freiwillige begrüßen zu können.

 

Bemerkenswert

Mich hat die Eröffnungsfeier nicht nur bewegt, sondern auch nachdenklich gemacht:

 

Was erwarten wir als Einrichtung, als Kolleg*innen von jungen Menschen, die zu uns kommen, um ein FSJ zu machen, die ein Jahr lang teilweise weit weg von zu Hause, von ihrer Familie, von Freunden und dem bisher Bekannten sind, die bereit sind, NEULAND zu betreten?

Wir erwarten und freuen uns über und auf, neugierige und lernbereite junge Menschen, die Erfahrungen sammeln wollen. Wir erwarten junge Menschen, die bereit sind, in Beziehung zu anderen Menschen zu gehen, etwas zu gestalten und dann Beziehungsspuren zu hinterlassen.

 

Was haben wir als Einrichtung davon, wenn FSJler*innen zu uns kommen?

Zahlenmäßig ist das relativ leicht zu beschreiben: bei ca. 90 FSJler*innen und Bufdis im  Zeitraum der letzten 30 Jahre, also durchschnittlich 3 pro Jahr, waren das insgesamt ca. 182.000 Stunden Mann- und Frauenpower. Genauer gesagt: deutlich mehr Frauenpower, weil das FSJ wohl noch immer eher eine Frauendomäne ist. Zahlenmäßig sind wir also zwar noch keine Stunden-Millionäre geworden, aber wir sind an vielem reicher geworden.

Im Management redet man ja heutzutage gerne von WIN-WIN-Situationen. FSJ ist aber mehr als WIN-WIN, ist nicht nur Wert, sondern

 

Viel-Mehr-WERT.

 

Wer hat also was dazu  gewonnen?

 

  • Unsere Einrichtung: keine billigen Arbeitskräfte, sondern Nachwuchskräfte und in unserem Verständnis „Entwicklungshelfer“ für unsere Kinder und Jugendlichen

 

  • Die Kolleginnen in der tagtäglichen Erziehungsarbeit in den Wohn- und Tagesgruppen oder beim Therapeutischen Reiten: das Gefühl, nicht alleine im Dienst zu sein, von jemand tatkräftig und verantwortlich unterstützt zu werden.

 

  • Die Kinder und Jugendlichen: das Gefühl und die Erfahrung, dass jemand Zeit für sie hat, mehr Zeit und zusätzliche Zeit, um etwas zu lernen, etwas Neues auszuprobieren. Dass da noch jemand zusätzlich für sie da ist und ihnen zur Seite steht.

Unsere Kinder und Jugendliche lernen aber noch mehr: dass es Spaß machen kann, etwas „umsonst“ und freiwillig zu leisten. Dass sie es Wert sind, dass andere junge Menschen ihre Zeit für sie und mit ihnen investieren.

    

  • Die FSJler*innen: Erfahrungen und Erfolge im kleinen und im großen. Das Gefühl willkommen zu sein, selber unterstützt zu werden und den Respekt und die Würdigung ihrer Leistung, ihres freiwilligen Engagements. Manchmal auch, dass sie als junge Menschen „befördert“ werden: vom zu Erziehenden zur Erzieher*in.

Und natürlich auch und vor allem: Wer bin ich, wie bin ich als Mensch. Wie sehen meine Kompetenzen, meine Stärken, meine Schwächen und Grenzen, also  mein soziales und menschliches Profil aus.

Und für manche: will ich vielleicht „lebenslänglich“ mit einem solchen Beruf mein Geld verdienen?

 

  • Die Familien der FSJler*innen: dass ihre Kinder etwas Wichtiges leisten, freiwillig und bewusst Verantwortung – für sich und andere – übernommen haben und: dass sie erwachsenen geworden sind.

 

Ich möchte gerade an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, den Eltern, den Familien für ihr Vertrauen in uns zu danken, dass ihr Kind bei uns gut aufgehoben ist, sich bei uns in guten Händen befindet.

 

 

 

Dankenswert

Meiner Meinung nach  heißt das also, es profitieren viele, es profitiert die  Gesellschaft insgesamt und im Besonderen  von den materiellen, zeitlichen und emotionalen Aufwendungen, Anstrengungen und Leistungen der FSJler*innen. Wobei es meines Wissens noch keine  spezifische Ökonomie des FSJ gibt. Wie sieht eigentlich der gesamtgesellschaftliche Nutzen des FSJ aus?

 

Ich möchte mich deshalb ganz persönlich hier und heute  gerne bei allen FSJler*innen und „Bufdis“ bedanken, die sich freiwillig und solidarisch für Kinder und Jugendliche engagieren. Sie haben uns reicher gemacht.

 

 

Wolfgang Jacob

Ausbildungsleiter

 

 

 

Das Foto vom Entsendegottesdienst dürfen wir mit freundlicher Erlaubnis der Sozialen Lerndienste im Bistum Trier verwenden.