16.06.2015

Nalbach – ein Ort zeigt gelebte Integration

Haus Christophorus in Wallerfangen hat sich zur Aufgabe gemacht, jungen Flüchtlinge zu schützen, zu stärken und zu fördern

Bundesweit erleben wir zurzeit einen hohen Zugang von Flüchtlingen, von denen etwa die Hälfte minderjährig ist. Ein Teil dieser Kinder und Jugendlichen sind ohne Eltern geflüchtet oder haben ihre Eltern auf der Flucht verloren. Die Caritas Jugendhilfe Haus Christophorus in Wallerfangen hat sich zur Aufgabe gemacht, diese jungen Menschen zu schützen, zu stärken und zu fördern. Seit 2011 betreuen wir minderjährige Flüchtlinge in Wohngruppen und Wohngemeinschaften. Zwei der Wohngemeinschaften haben ihren Platz in Nalbach gefunden. Die Jugendlichen, die dort aufgenommen werden, haben oft eine jahrelange Odyssee hinter sich. Flucht bedeutet für diese jungen Menschen nicht nur einen Verlust der vertrauten Umgebung und eine große Entbehrung, sondern auch ein hohes Maß an Schutzlosigkeit. Während der ganzen Flucht sind Angst, Unsicherheit, schlechte Versorgung und Orientierungslosigkeit die Begleiter. Auch die Ankunft in Deutschland ist für die jungen Menschen von großer Verwirrung und Desorientierung gekennzeichnet. Sie kommen an und sehen sich in einer völlig fremden Umgebung, sie kennen die Sprache nicht und die Kultur ist gänzlich anders als  die, die sie bisher gekannt haben. Manchmal entspricht unser Land auch nicht dem Bild, das die Jugendlichen aus Erzählungen und den Medien kennen. Insofern brauchen die jungen Menschen zunächst Ruhe und Sicherheit und das Gefühl der Annahme ein „Willkommen im Saarland“. Ein herzliches Willkommen haben unsere Jugendlichen in Nalbach erlebt und dafür sagen wir Danke! Wie die jungen Menschen dort von den Bürgern empfangen wurden und unterstützt werden, zeigt ihnen der nachfolgende Bericht unserer Mitarbeiterin Suzanne Bauer.

 

Mein Name ist Suzanne Bauer und ich arbeite im Haus Christophorus als Erzieherin.

Seit Januar 2015 betreue ich in Nalbach eine Wohngemeinschaft von vier unbegleiteten Flüchtlingen aus Eritrea. Und dort habe ich sehr positive Erfahrungen gemacht, habe erlebt wie die Nalbacher Bürger die jungen Menschen mit Rat und Tat unterstützen und somit einen wesentlichen  Beitrag zur Integration leisten. So erklären die Nachbarn, wie unser System mit der Müllentsorgung und der Mülltrennung funktioniert, und wenn die Jungs es dann trotzdem nicht richtig verstanden haben, dann wird auch einfach mal die richtige Tonne zur richtigen Zeit rausgestellt. Der Sohn einer Nachbarin hat uns Fußbälle besorgt und pumpt diese auch immer wieder auf, und seine Mutter ist mittlerweile schon so etwas wie eine „Paten-Oma“: Sie zeigt den jungen Leuten sogar, wie man ein Loch in einem Fahrradreifen entdeckt, schenkt ihnen selbst gestrickte Socken und greift bei der Gestaltung des Vorgartens tatkräftig mit an – und das bei einem Alter weit über siebzig ! Oft unterhalten sich die Jungs mit ihr, fragen sie, wenn sie Unterstützung brauchen und laden sie auch schon mal zum Essen ein. Dabei fällt dann manchmal auf, was im Haushalt noch fehlt und ganz schnell sammeln die Nachbarn bei Freunden oder geben was sie selbst übrig haben an Geschirr, Gläsern, Bettwäsche und Vielem mehr.

Die freiwillige Feuerwehr Nalbach bietet uns eine Brandschutzübung an, bei der die Neuankömmlinge auch lernen können, wie man die Feuerwehr alarmiert und sich im Brandfall richtig verhält.

Der Hausarzt – Dr. Seibel – versorgt die Jungs nicht nur medizinisch hervorragend, nein sein Praxisteam hilft auch bei Übungssituationen, damit diese lernen können, wie man einen Termin beim Arzt vereinbart und einen Arzttermin auch alleine wahrnehmen kann.

Die Schreinerei Thiery hat sich völlig unkompliziert bereit erklärt, einem Jungen ein Praktikum zu ermöglichen, er geht dort gerne hin und fühlt sich wohl: vor allem hat er Kontakt zu deutschen Kollegen und kann erfahren, wie in Deutschland der Arbeitsalltag aussehen kann.

Ein Freundeskreis organisiert eine Lebensmittelausgabe und Begegnungssituationen für Asylbewerber aus Nalbach. Die Menschen dort sind so aufmerksam, dass sie für die Jungs aus Eritrea, die als praktizierende orthodoxe Christen eine sehr strenge Fastenzeit hatten, spezielle Lebensmitteltaschen packten.

Nicht vergessen darf ich Herrn Riehm, einen pensionierten Lehrer, der seit 2013 durch sein großes, persönliches Engagement zur gelungenen Integration der jungen Flüchtlinge beiträgt. Neben seinem Angebot, die deutsche Sprache in einem hausinternen Kurs unterrichten, begleitet er die Jungs auch zum Gottesdienst und nimmt sie  zum Weihnachtsmarkt und zu Begegnungstreffen mit. Kürzlich hat er  mit ihnen einen Nutzgarten angelegt, in dem Kartoffeln, Gemüse und Salat angepflanzt werden. Beim gemeinsamen Arbeiten zeigen die jungen Menschen sehr viel Freude und Engagement.

Ich könnte hier noch einige andere Situationen beschreiben, in denen festzustellen war, dass jeder, mit dem wir bisher in Nalbach zu tun hatten, besonders freundlich und aufmerksam ist. So ist es nicht verwunderlich, dass die Jungs sich in Nalbach schon  „zu Hause“ fühlen und auch gerne dort weiterhin wohnen möchten. Ich hoffe sehr, dass die die jungen Menschen, wenn sie aus der Wohngemeinschaft ausziehen und sich eigene Wohnungen suchen müssen, in diesem herzlichen und integrativen Umfeld bleiben können.

Suzanne Bauer

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